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Sie nennen sich „Theater Mummpitz“, wünschen sich das Kindertheater als eine „Spielwiese des Lebens“ und beginnen eine große Reise. Diese Reise führt sie quer durch die Republik, von Pommelsbrunn nach Eckental, von Burghausen nach Emden und gelegentlich ins Ausland: Italien, Ungarn, Österreich, Polen, Liechtenstein, Luxemburg, Schottland, Irland, Kanada und in die USA. Gutes Theater für Kinder wollen sie machen und es öffnen, auch für andere Generationen, um Theater wieder zu einem gemeinsamen Erlebnis zu machen. Viele Menschen in einem Raum erleben zusammen eine Geschichte, das Geheimnis des Theaters. Klug soll es sein, das Theater für Kinder und Vergnügen bereiten.
Und das Theater Mummpitz begann Geschichten zu erzählen, viele verschiedene Geschichten. Geschichten von Reisen, Märchen, vom Leben und vom Tod. Geschichten die man Kindern so nicht zumutet, wo aber doch bewiesen wird, dass Kinder mutig sind, Mumm haben, sich vieles anzuhören, anzusehen, weil es das Leben ist, das vor niemandem Halt macht und sich an keine Altergrenzen hält.
Mummpitz hat eine große Reise begonnen, aber wohin? Ein romantisches Projekt mit gleichberechtigter Arbeitsweise, kollektiven Entscheidungen, kindlichen Träumen auf der Suche nach einer Theaterwelt für Kinder? „Nur wenige erreichten ihr Ziel, geschwächt, gealtert, mit verbrauchten Körpern.“ So heißt es in einer alten Geschichte und es wäre ein Unding für eine freie Theatergruppe, nie den Mut zu verlieren und sich von Zweifeln und Widrigkeiten nicht beirren zu lassen.
Man kann in den Aufführungen des Theater Mummpitz sehen, dass nicht die Mittel das Theater sind. Ein Tisch, ein Koffer, eine Kiste, ein Kreis aus Sand – profane Dinge bevölkern die Bühne. Oder Tücher, um die Zuschauer gespannt wie in einem Zirkusrund, alles wirkt nett und harmlos – „wie im Kindertheater". Aber dann passiert das, was man dem Theater für Kinder nicht zutraut: Die Fabeln und Theatermärchen verwandeln die Realität, nicht kleiner wird die Wirklichkeit, sondern mit Leben angereichert und verdichtet. Die Kinder werden mitgenommen an fremde Orte. Die Theaterleute laden sie ein ins Rätselhafte, Verborgene, in eine Welt die Angst machen kann, aber zugleich auch himmlisches Vergnügen bereitet. Die Schauspieler erleben und zeigen ihre Geschichten. In ihren Gesichtern spiegeln sich die Gesichter der Kinder, leben und fiebern sie mit – die Angst eines Menschen und sein befreiendes Glück. Das Theater Mummpitz imitiert nicht, sondern versucht, das Zauberhafte in sich selbst zu entdecken. Die Geschichten müssen ihren Zauber sogleich entfalten, oder die Aufmerksamkeit der Kinder verschwindet so schnell wie der Blitz. Die Kinder gehen mit, ziehen mit in Schlachten, bereit zu beleidigen, zu kämpfen, Krieg zu führen, aber finden im nächsten Moment nach großem Getöse zur Stille. Eine einfache Szene und doch geschieht etwas wie ein Wunder. Man taucht ein in einen gemeinsamen Raum, den die Schauspieler alleine nicht schaffen, oder wie man so gerne sagt, „produzieren“ können. Dieser Moment ist einer der größten und ergreifendsten auf dem Theater, weil er erzählt, dass Theater ohne die gedankliche Mitwirkung des Zuschauers, ohne das phantasievolle Dabei-Sein der Kinder, nicht funktioniert. Warum das so ist, weiß man nicht. Es hat nichts mit dem Können der Schauspieler zu tun, sondern alles mit Imagination und dem Erleben im Augenblick. Theater als reine Gegenwart, oder vielleicht besser ausgedrückt – als reines Gegenwärtigsein. Kindertheaterschauspieler wissen mehr über das Scheitern auf der Bühne als Schauspieler sonst und gleichzeitig haben sie durch ihre Arbeit (Reisen, Zusammenarbeit) gelernt, dass die kindliche Welt der Mythen mehr über das Leben – und den Schrecken und das Wundervolle darin – erzählen kann, als die so genannte „Realität“. Dass Märchen und Geschichten Herausforderungen sind, Einladungen zu einer großen Reise, ja manchmal sogar Annäherungen an den Tod. Beschreiben oder gar beweisen kann man das „Wunder“ eines solchen Theateraugenblickes nicht. Und es wird Zuschauer geben, die beschwören können, sie hätten von all dem nichts gesehen, sondern lediglich ein paar nette, seltsame Leute auf der Bühne, was übrigens auch gar kein richtiges Theater wäre und schon gar keines für Kinder. Und auch diese „erwachsenen“ Zuschauer, sind im Recht, denn in diesem Augenblick ist es hoffentlich nicht nur Kindertheater, sondern vor allem eine Geschichte, ein Abenteuer, eine Herausforderung für sie.
Die einfachsten Sätze sind die mit dem größten Geheimnis, hat ein kluger Mann geschrieben. Das Theater Mummpitz besteht zumeist aus einfachen Sätzen, einfachen Zeichen; unsere Magie ist unsere Offenheit, die Leichtigkeit und Durchschaubarkeit der theatralen Mittel. Keine Illusionen, kein falscher Zauber. Wir haben dir eine Geschichte zu erzählen. Es ist eine Geschichte für dich. „Das bist du“, sprechen die Figuren des Spiels unhörbar zu den Zuschauern, „in mir kannst du dich wieder finden“. „Das bist du“. Es ist ein Spiel – und wenn man so nicht weiterspielen will, kann man es beenden. Welch herrliche Freiheit.
Wenn allem Anfang ein Zauber innewohnt, dann dauert der Anfang bei Mummpitz seit 31 Jahren an. Theatergeist ist Anfängergeist, auch nach 30 Jahren. Das Geheimnis des Theater Mummpitz ist, dass es in jeder Vorstellung auf die Menschen ankommt, auf Schauspieler und Zuschauer, wie weit sie in dieser einen Stunde zusammen gehen wollen.
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