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30 Jahre Mummpitz
Das Theater Mummpitz feiert sein dreißigjähriges Jubiläum und darf sich zu den dienstältesten freien Kindertheatern in Deutschland zählen. Dass es dennoch jung geblieben ist und nichts an Attraktivität verloren hat zeigen der Zuspruch des Publikums, die Einladungen auf internationale Kindertheaterfestivals und die Auszeichnungen die es in den letzten Jahren erhalten hat.
Es war 1980, im Kulturladen an der Rothenburgerstraße, als sich Studenten und Schüler zum Theaterspiel zusammenfanden. Dass das Theater Mummpitz - nur 150 m vom Gründungsort entfernt- im Jahr 2001 in den Kachelbau einziehen konnte, schloss den Kreis und machte aus einem Wandertheater eine feste Institution im Nürnberger Kulturleben. Und dass das Theater Mummpitz 30 Jahre als freie Gruppe bestehen konnte, hat viele verschiedene, auch glückliche Ursachen. Zum Einen ist es sicher die harmonische Kultur, mit der die Gruppe zusammenarbeitet (Dreißig Jahre lang ist man in nahezu gleicher Besetzung zusammengeblieben, hat Höhen und Tiefen durchlebt und ein eigenes Kapitel Kindertheatergeschichte geschrieben), zum Anderen sind es Ereignisse wie die zweimalige Einladung zu Kooperationen an die Landesbühne Niedersachsen Nord in Wilhelmshaven Ende der 80er Jahre, die eine Professionalisierung vorantrieben. Das kulturelle Klima in der Stadt Nürnberg, die erfolgreichen Kooperationen mit Partnern wie der Tafelhalle, dem Staatstheater Nürnberg und dem Theater Fürth sorgen für Bedingungen, die eine kontinuierliche Entwicklung erlauben.
Der Gründung des Ensembles fiel Anfang der 80er in eine Zeit der gesellschaftlichen Entwicklung, in der eine neue Partei (Die Grünen) gegründet wurde, Rubriks Zauberwürfel nicht nur Kindern viele Stunden kostete, die Aufmerksamkeit für die Ökologie erwachte, Häuser besetzt wurden und auch das Bedürfnis nach demokratischen Strukturen in der Kultur wuchs. Mit Prinzipien der Mitbestimmung und dem Wunsch nach einem kollektiven kreativen Prozess entstanden die ersten Stücke, die noch sehr von der Ästhetik und der emanzipatorischen Sichtweise der Siebziger geprägt waren. Mitte der Achtziger begann das Theater Mummpitz sich vermehrt kulturpolitisch zu engagieren, das Recht auf „freies Theater“ wurde an die Vertreter der Stadt herangetragen und es wurde auf die Notwendigkeit eines Theater für Kinder hingewiesen. Zur selben Zeit änderten sich sowohl die Inhalte als auch die Ästhetik des Kindertheaters; weg von gesellschaftlicher Abbildung und Kritik, hin zum Kunsterlebnis für Kinder. Ein erster Zuschuss von einhunderttausend Mark für freies Theater (damals für sieben Theatergruppen), in einer Konstellation von CSU und Grünen beschlossen, war ein Meilenstein in der Entwicklung. Dass die Stadt Nürnberg wenig später die „Städtischen Bühnen“ mit der vierfachen Summe für hauseigenes Kindertheater ausstattete, zeigte sowohl das noch geringe Vertrauen der Kulturpolitik in die damals wachsende Szene, als auch, dass die „Freien“ mit ihren Forderungen nach einem kulturellen Angebot für Kinder richtig lagen. Anfang der Neunziger beginnen die Kooperationen mit der Tafelhalle Nürnberg und dem Theater Fürth. Ende der Neunziger bieten die Theater Mummpitz und Pfütze dem Staatstheater Nürnberg (damals noch Städtische Bühnen) eine Zusammenarbeit an. Aus dem gedachten Kindertheater des Staatstheaters war mittlerweile ein fast reines Jugendtheater geworden, das zur Konkurrenz im eigenen Haus mutierte. Die damalige Leitung erkannte, dass die Kooperation mit Mummpitz und Pfütze für alle Seiten von Vorteil wäre: Die Kinder bekommen hochwertige Stücke zu sehen, das Kindertheater wird von Schauspielern gemacht, die gerne für Kinder spielen, das Staatstheater kann mit seinen Schauspielern besser disponieren und Mummpitz und Pfütze sind finanziell besser abgesichert. Seit 1997 kooperieren das Staatstheater, Theater Pfütze und Theater Mummpitz erfolgreich in einem in der Bundesrepublik einmaligen und viel beachteten Modell. Im Jahr 2000 veranstaltete das Theater Mummpitz zum ersten Mal das europäische Kindertheaterfestival „Panoptikum“, welches mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Nürnberger Kulturlebens und der europäischen Kindertheaterszene geworden ist. 2001 bezieht Mummpitz mit dem Museum im Koffer und dem Kinderzirkus CriCri den Kachelbau. Gemeinsam eröffnen und bespielen die drei Einrichtungen das Kinderkulturzentrum. Mummpitz hatte endlich ein eigenes, wunderschönes Theater, mehrere Büros und eine kleine Probebühne, aber trotzdem waren die ersten drei Jahre von einem harten Überlebenskampf geprägt. Das Schlachthofgelände war (und ist) eine Dauerbaustelle und trotz der langjährigen Arbeit und der Bekanntheit des Theater Mummpitz kamen nicht genügend Besucher in die damals ungastliche und unwirkliche Gegend. Erst 2004 war Mummpitz endlich angekommen: Die Besucherzahlen stiegen und auch die Qualität der Produktionen verbesserte sich. 2006 wurde das Theaterpädagogische Programm ausgebaut. Workshops und Kurse zu gesellschaftlichen Themen wie „Gewalt in Schulen“, „Sprachvermögen“ oder „Aufmerksamkeitsdefizite“ wurden entwickelt und für Schulen angeboten, die auf dieses Angebot mehr und mehr zugreifen. 2009 initiiert das Theater Mummpitz den „Nürnberger Kulturrucksack“, ein Modell der kulturellen Bildung für Schüler, das mit Partnern wie der Tafelhalle, dem Germanischen Nationalmuseum oder den Nürnberger Symphonikern zusammenarbeitet und kostengünstig qualitativ hochwertige Erlebnisse und Veranstaltungen für Kinder anbietet. Das Theater Mummpitz ist seit 2007 sehr gerne Gastgeber der Nürnberger Schul – und Kulturtage. Bereits seit 2004 gibt es eine kleine Kindermusikreihe mit dem schönen Namen „Musikuss“, bei der mit dem Kindermuseum, dem Kinderkunstraum, dem Staatstheater und der Hochschule für Musik kooperiert wird.
Mummpitz ist also gut vernetzt in einer Stadt , die es uns als einem freien Theater bisher ermöglicht hat, so lange zu existieren und gut und erfolgreich zu arbeiten.
Im dreißigsten Jahr kann man gut die Erfolge genießen, mit der Produktion „Die grandiosen Abenteuer der tapferen Johanna Holzschwert“ nach Schottland, Irland und Kanada fahren oder mit „Prometheus“ als eine der besten Produktionen des vergangen Jahres von der Kritik ausgezeichnet werden.
Wir erleben in unserer Gesellschaft eine Neuorientierung in Bildungsfragen und in der Gestaltung von Unterricht, in dessen Rahmen sehr gerne auf die hervorragenden Effekte von Theater (Kultur) hingewiesen wird. Das Theater Mummpitz hat seit Jahren mit neuen Kooperationsmodellen, guten Programmen und Workshops, einem gelungenen europäischen Theaterfestival und nicht zu guter Letzt mit wundervollen Theaterstücken Pionier- und Aufbauarbeit für die Kinderkultur geleistet. Diese Arbeit muss nicht nur allein für Geleistetes „belohnt“ werden, sondern wegen eines kulturpolitisch – überlegten und bildungspolitisch – fortschrittlichen Denkens in den kommenden Jahren ausreichend gefördert und finanziert werden. Dies fordert ein eindeutiges und strategisches Handeln von Land und Stadt.
Das Theater Mummpitz ist dreißig Jahre alt geworden, und es bleibt ein Kind dieser Stadt. Spielend, manchmal verträumt, im Zusammenspiel mit vielen Partnern Neues suchend, mit Mut und Witz. Oder anders ausgedrückt: Soviel Mummpitz war nie – eine gelungene Gabe zum 30. Geburtstag.
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